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MonatsausLESE: Februar 2018

01 Mrz

februar18

Kein sehr guter Lesemonat, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut. Dafür waren aber einige wirklich gute Bücher dabei, eines davon wird sich sogar unter meine Lieblingsbücher einreihen. Trotzdem, hoffentlich wird der März wieder ergiebiger. Da ich aber gerade Altlasten abbaue und dort viele sehr dicke Bücher dabei sind glaube ich nicht so recht daran. Na, mal sehen.

Statistisches (ohne Sachbücher)
Anzahl Bücher: 6
Seiten-Gesamtzahl: 2591

***

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Taiko (Eiji Yoshikawa) 864 Seiten
Wow. Trotz der Dicke des Buches habe ich es in wirklich kurzer Zeit verschlungen, weil es mich einfach so verdammt gefesselt hat. Gut, dazu muss ich auch sagen, dass ich ein großes Fangirl von Hideyoshi Toyotomi bin. Von den drei Persönlichkeiten der Azuchi-Momoyama-Zeit, die maßgeblich an Japans Reichseinigung und dem Ende der Sengoku-Periode beteiligt waren (also Nobunaga Oda, Hideyoshi und Ieyasu Tokugawa), war Hideyoshi schon immer mein Favorit. Und das sage ich jetzt nicht nur als Fan der Samurai Warriors-Games, sondern auch wenn wir von den realen historischen Persönlichkeiten sprechen. So groß die Verdienste von Nobunaga und Ieyasu vielleicht waren, aber Hideyoshi hat mich immer am meisten fasziniert. Deswegen verstehe ich auch Mitsunari Ishida so gut, welcher nach seinem Tod sein Lebenswerk weiterführen wollte (wenn auch vielleicht nicht immer mit den richtigen Mitteln), was aber bekanntlich leider tragisch endete. Oh je, da kriege ich glatt wieder War-Flashbacks zu Samurai Warriors 2 und der Schlacht von Sekigahara. Das war wohl der Beginn meiner großen Begeisterung für die japanische (Militär)Geschichte. Hach. Aaaaaber ich schweife ab. Jedenfalls, meine Faszination: Vielleicht liegt die auch an seiner Lebensgeschichte und dem Aufstieg vom einfachen Jungen aus ärmlichen Verhältnissen in Amt und Würden. Genau davon erzählt das Buch. Dementsprechend ist der erste Teil des Buches schonmal sehr spannend, aber ich fand auch besonders den zweiten Teil mit all den Schlachten toll. Vermutlich finden viele die Schilderung der Kämpfe langweilig, aber vielleicht eben auch wegen meinen „Kriegserfahrungen“ aus Samurai Warriors hat es Spaß gemacht die Beschreibungen zu lesen und das eine oder andere Scharmützel wiederzuerkennen. Da fühlt man sich glatt, als wäre man dabei gewesen ;) Wie auch immer, jetzt habe ich schon einen Kandidaten für mein Lieblingsbuch des Jahres 2018. Ach ja, und fühl dich in den Hintern getreten, Vergangenheits-Matsu: warum hast du das Buch jetzt fast 5 Jahre herumliegen lassen, hä? Ich ärgere mich etwas über mich selbst. ^^

The Samurai’s Garden (Patricia Kiyono) 206 Seiten
Vor allem ist mir das Buch erstmal durch die hübsche Cover-/Umschlaggestaltung aufgefallen. Kirschblüten sind immer gut ;) Inhaltlich handelt es sich um eine nette kleine Liebesgeschichte am Ende der Samuraizeit. Nichts besonderes, aber nett zu lesen. Die weibliche Hauptfigur Hanako nervte mich zuweilen ein bisschen mit ihren ständigen Komplexen, ob sie denn für Hiro auch gut genug wäre. Dass Hiro kein arroganter Samurai ist, der eine feine Frau will, die nur im Damengemach rumsitzt war eigentlich von Anfang an klar, aber gut, es musste ja etwas Spannung in die Geschichte rein. Interessanter als die Beziehung der beiden Hauptfiguren fand ich ohnehin die aufkeimende Romanze zwischen Hiros Freund Ginjiro und der reichen Witwe Nakamura. Insgesamt war es also – wie schon gesagt – ein nettes kleines Buch, welches man als Japan-Liebhaber durchaus lesen kann.

Der Garten des Samurai (Gail Tsukiyama) 313 Seiten
Und gleich noch ein gärtnernder Samurai…auch wenn ich den Titel hier sogar als nicht ganz passend empfinde, aber es ist eine Übersetzung des Originaltitels, also lag es wohl in der Absicht der Autorin zu zeigen, dass ein Samurai nicht unbedingt ein klassischer Schwertkämpfer sein muss, sondern andere Tugenden wichtiger sind. Lustigerweise heißt der Gärtner in diesem Buch auch noch Matsu :D Lustig ist die Geschichte ansonsten aber nicht, sondern eher nachdenklich, manchmal traurig, aber oft auch hoffnungsvoll. Es geht um den Krieg zwischen Japan und China, und darum wie die einfachen Menschen den Konflikt wahrnehmen (die Hauptfigur Stephen, ein Chinese aus Hongkong fragt sich etwa, ob er jetzt die Bewohner des kleinen Ferienortes Tarumi als Feinde sehen sollte angesichts der schockierenden japanischen Kriegsverbrechen in China). Aber das ist noch nicht mal alles. Nur will ich jetzt nicht den ganzen Inhalt nacherzählen, jedenfalls ist Der Garten des Samurai ein leises, poetisches, emotionales Buch, welches ich sehr gerne gelesen habe.

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Der Geist der Madame Chen (Amy Tan) 569 Seiten
Mein zweites Buch von Amy Tan und ironischerweise kommt auch dieses hier bei den Kritikern bzw. Rezensenten eher schlecht weg. Ironisch ist das deswegen, weil ich es richtig gut fand. (Da bin ich gespannt, was ich zu den Büchern von Amy Tan sagen werde, die von allen anderen gehyped werden…vielleicht mag ich gerade die dann nicht, haha) Aber ich weiß nicht wie man kritisieren kann, dass einen dieses Buch hier nicht zum Nachdenken bringt. Es ging um die Ausrottung von Volksstämmen in Myanmar/Burma…wie kann einen bitte ein solches Thema nicht zum Nachdenken bringen? Natürlich ist das Ganze in eine Rahmenhandlung um eine Reisegruppe verpackt und vielleicht findet das der eine oder andere nervig. Aber irgendwie macht das gerade den Kontrast aus: hier die „zivilisierten“ Leute aus Amerika, da die „primitiven Eingeborenen aus dem Dschungel“. (Apropos Dschungel, an der Stelle als der Stamm eben genau im Dschungel im Fernsehen das Dschungelcamp guckt musste ich wirklich lachen 8D) Da treffen Kulturen aufeinander und ich habe nach dem Lesen schon alleine über die Frage nachgedacht: lohnt es sich für die vermeintlich primitiven Leute überhaupt, die Verheißungen der Zivilisation zu suchen oder ist es vielleicht doch besser am einfachen Lebensstil festzuhalten? Frei von Fehlern ist unsere tolle Zivilisation ja nun auch nicht und den Menschen im Buch hat es letztlich gar nichts gebracht. Und wie einen dieses Thema nicht in irgendeiner Form berühren kann, ist mir ein Rätsel.

Mozarts letzte Arie (Matt Beynon Rees) 318 Seiten
Verschwörungstheorien um den frühen Tod von Mozart gibt es ja so einige. Gerade dazu habe ich erst letztens einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Dieses Buch greift einige der Theorien auf und macht eine ganz eigene Kriminalgeschichte daraus. Die „Ermittlungen“ führt Mozarts Schwester Nannerl, die nicht glauben kann, dass alles mit rechten Dingen zuging beim Tod ihres Bruders. Und es wäre ja keine spannende Geschichte, wenn am Ende rauskäme, dass die Todesursache durchaus natürlich war…also findet Nannerl doch so einige Hinweise auf potenzielle Täter aus Wiens feiner Gesellschaft. Natürlich spielt auch die Musik eine große Rolle, was ich auch nicht anders erwartet hätte. Dass aber auch Nannerls Liebesleben bzw. ihre Schwärmerei für einen gutaussehenden Baron eine große Rolle spielt fand ich wiederum etwas nervig. Vielleicht sollte das ihr als Charakter etwas Profil geben, leider blieb sie aber trotzdem recht blass. Und auch sonst ließ sich das Buch zwar gut lesen, war aber insgesamt eher durchschnittlich und wird mir nicht lange im Gedächtnis verbleiben. Schade eigentlich, aus dem Stoff lässt sich bestimmt viel machen.

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Fire and Fury – Inside the Trump White House (Michael Wolff) 321 Seiten
Mittlerweile ist ja schon die deutsche Ausgabe erschienen, aber ich hatte mir das Buch auf Englisch vorbestellt und war so immerhin etwas vor dem deutschen Termin durch. Mich hat das Buch wirklich beeindruckt und erschüttert, teilweise konnte ich es wirklich nicht aus der Hand legen. Kritikpunkte waren ja etwa, dass nicht wirklich etwas Neues drinsteht: naja. Ich verfolge die Tagespolitik schon ziemlich genau und vieles hatte ich trotzdem so nicht mitbekommen. Scheinbar haben uns die bösen deutschen Fake News (;D) da einiges vorenthalten, und amerikanische Medien kriege ich nunmal nicht vollständig mit. Oder es wurde gesagt, dass manche Aussagen vom Autor nicht vollständig faktisch belegt werden können. Kann vielleicht sein, aber da muss ich sagen: selbst wenn nur ein Bruchteil davon stimmt, ist es schlimm genug. Dass Donald Trump öffentlich wirre Reden hält, wirres Zeug twittert und widersprüchliche Entscheidungen und Aussagen trifft kann man schließlich schwer abstreiten, nicht? Aberaus dem ganzen Drumherum – all die Machtkämpfe und Scharmützel unter den Mitarbeitern im Weißen Haus – könnte man einen Film machen, wenn es nicht traurige Realität wäre. Mich hat es jedenfalls in der Ansicht bestätigt, dass der aktuelle Präsident für das Amt einfach nicht geeignet ist. Spannend fand ich in dem Zusammenhang, dass Parallelen zwischen dem aktuellen Weißen Haus und dem Hof von Henry VIII gezogen wurden (z.B. dass Steve Bannon praktisch Trumps Cromwell war – da kann er ja von Glück sagen nicht wie Cromwell geendet zu haben, haha…). Es stimmt, da sind Parallelen vorhanden – nur glaube ich, dass Henry durchaus wusste, was er will und man am Hof aufsteigen konnte wenn man ihm seinen Willen beschaffen konnte, während man in Trumps Umfeld durchaus seine eigene Agenda betreiben kann und halt versuchen muss ihn glauben zu lassen, dass es sein Wille wäre…. So oder so, das Buch ist wirklich lesenswert. Allerdings hat mich überrascht, dass der Fokus eigentlich gar nicht auf dem Präsidenten, sondern mehr auf den Leuten um ihn herum lag. Aber gerade das war ja das Interessante…denn die x-te trumpsche Twitterentgleisung kriegen wir eh alle live mit, darüber braucht man keine Bücher schreiben.

Matsu

☆ One hell of a fangirl ☆ Matsu liebt nicht nur Anime & Manga, sondern mag auch Videogames, Bücher, Geschichte, Modellbau und vieles mehr!

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Geschrieben von Matsu in Reviews, Buchvorstellungen

 

Tags: Der Garten des Samurai, Der Geist der Madame Chen, Fire and Fury, Inside the Trump White House, Mozarts letzte Arie, Taiko, The Samurai's Garden

 

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