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Rückblick auf die Summer Season: Sword Art Online

17 Jan

Schon im Jahresrückblick hatte ich es angedeutet: SAO hat mich enttäuscht. Damit ich nicht als grundloser Hater dastehe führe ich das jetzt mal näher aus ;)

In der nahen Zukunft gibt es die Möglichkeit mit einem neuen technischen Gerät namens NerveGear komplett in die Welt eines virtuellen Online-Games abzutauchen. Für dieses System erscheint nun das langersehnte Hit-Game Sword Art Online. Am Releasetag loggen sich sofort eine Menge Spieler ein. Doch was eigentlich nur Spaß sein sollte, wird bald bitterer Ernst. Plötzlich verschwindet aus dem Spielmenü die Logout-Option. Der Programmierer des Spiels wendet sich mit einer Botschaft an die Spieler: nur wenn es jemandem gelingt, die 100ste Ebene des Spieles zu erreichen und den Endboss zu schlagen können alle das Spiel wieder verlassen. Aber das Schlimmste kommt noch, denn wer im Spiel stirbt verliert auch in der Realität sein Leben. Ein harter Kampf ums Überleben bricht an.

Ich bin ein großer Freund von Animes, in denen es um ein Online-Rollenspiel geht. Eine meiner ersten Manga-Serien war etwa .hack/Legend of the Twilight, was ich schon sehr toll fand. Und auch 1/2 Prince (ein leider viel zu unbekannter Manhua) geht ja in die Richtung, ebenfalls eine meiner Lieblingsserien. So war ich dementsprechend happy über die Ankündigung von Sword Art Online. Die Novels waren zwar an mir vorbeigegangen, doch das Konzept der Serie hörte sich super an und so blickte ich der ersten Folge mit großer Erwartung entgegen. Folge 1 erfüllte und übertraf dann diese Erwartungen: Wie aus der Storyzusammenfassung bekannt wurden die Spieler mit ihrer Gefangenschaft im Spiel konfrontiert und ich erwartete einen actionreichen Überlebenskampf. Auch in den nächsten Folgen ging es noch gut weiter: Kirito traf auf (die da noch verdammt coole) Asuna und wurde von den anderen Spielern aufgrund seiner Betatester-Aufgabe des Cheatens bezichtigt. Diese Vorwürfe schmetterte Kirito – ganz der Badass-Hero – gekonnt ab. Da konnte ich die Begeisterung überall im Internet noch nachvollziehen und teilte sie sogar. Doch dann kam schon die erste große Ernüchterung: In den darauffolgenden Episoden gab es einige willkürliche Zeitsprünge und ziemlich filler-ige Begegnungen zwischen Kirito und diversen hilflosen Mädels, denen der Held natürlich zu Hilfe eilen musste. Diese Folgen waren schon eine große Ernüchterung – eine dieser Episoden wäre ja okay gewesen, aber leider wurden es mehrere und auch noch sehr langweilige. Außerdem schien Kirito in jeder Folge einen anderen Charakter zu haben: einmal der coole Held, einmal das verschüchtere Jüngelchen, dann wieder der hilfsbereite junge Mann…etwas seltsam, wenn man mich fragt. Die Mädchen wirkten außerdem nur wie der Versuch, Fanservice reinzubringen – denn von der Loli bis zur erwachsenen Frau war fast jeder Typ vertreten.

Irgendwann lief dann glücklicherweise die Story weiter. Kirito war inzwischen einer der erfahrenen Spieler, die sich darum kümmern sollten das Game endlich zu schlagen und damit für alle Spieler den Weg in die Freiheit zu bahnen. Das gleiche Ziel verfolgten die Knights of the Blood, bei denen Asuna inzwischen Mitglied geworden war. So liefen sich die beiden oft über den Weg. Und waren sie erst nur Kampfgefährten, funkte es aus heiterem Himmel auf einmal zwischen den beiden. Auf einmal waren sie so verliebt, dass sie sich gemeinsam von der Kampf-Front zurückzogen und ein Haus an einem idyllischen See bewohnten, wo ihnen dann noch eine kleine NPC (bzw. sowas in der Art) namens Yui als Tochter zulief….WTF? Das ging alles definitiv zu schnell. Mag sein, dass im Spiel sehr viel Zeit vergangen war (was man durch die erwähnten willkürlichen Zeitsprünge als Zuschauer nicht so sehr wahrnahm), aber der Anime gab sich nicht wirklich Mühe, die Beziehung der beiden glaubhaft weiterzuentwickeln (außerdem finde ich persönlich es Quatsch sich uuuunsterblich in jemanden zu verlieben den man nur aus einen Game kennt, ohne ihn je in der Realität getroffen zu haben). Ab diesen Folgen wurde Asuna dann auch von der eigenständigen, selbstbewussten Heldin, die sich selber durchzusetzen weiß, zum „Heimchen am Herd“. Sie kämpfte kaum noch selber und musste meist von Kirito beschützt werden. Außerdem fand ich die Beziehung der beiden zu Yui übertrieben, nur weil ein NPC einen „Mommy und Daddy“ nennt muss man da nicht so ein Drama draus machen. Dann ging es auch schon auf das Ende des ersten Arcs zu. Asuna musste im Kampf gegen den finalen Boss daran glauben und kurz darauf auch Kirito. Aber irgendwie schaffte es unser Held natürlich noch den Bösen zu besiegen. So war der Albtraum vorerst beendet. Natürlich hatte auch Asuna überlebt, entgegen jeder Logik (aber den Traum der Fanboys konnte mal wohl nicht sterben lassen). Schade, dass sich der Anime damit nicht mal an die selbst auferlegten Regeln hielt.

Meiner Meinung nach hätte man den Anime hier beenden sollen. Es muss nicht immer alles mit Friede-Freude-Eierkuchen enden! Alles, was nun noch kam hatte den Beigeschmack von „die Serie läuft gerade so gut, lasst uns noch ein bisschen Geld damit machen“. Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, alleine für den ersten Arc 25 Folgen zu veranschlagen und damit vielleicht die Entwicklung der Beziehung von Kirito und Asuna glaubhafter zu machen. Tja, aber das tat man ja leider nicht. Weiter ging’s: Wie gesagt hatte Asuna überlebt, ihr Bewusstsein war allerdings seltsamerweise nicht zurückgekehrt. Wie wir erfuhren wurde sie von ihrem schmierigen Verlobten schon wieder in einem Onlinegame gefangen gehalten…. Und Kirito stürzte sich sofort wieder in dieses nächste Game namens Alfheim Online. Auch ein bisschen unglaubwürdig: gerade erst der Gefangenschaft in einem Spiel entkommen würde wohl keiner sich das sofort wieder antun. Aber die Liebe treibt Leute halt zu seltsamen Taten ;) Wie dem auch sei, trotz allem wollte ich den Anime noch nicht abschreiben und hoffte auf eine bessere zweite Hälfte. Leider wurde ich enttäuscht. Statt Game-Action (die Szenen gegen diese fliegenden Supergegner im Endquest waren auch eher so meh) gab es vor allem noch mehr Drama: Kiritos Stiefschwester Sugu spielte dieses Game ebenfalls und traf dummerweise natürlich ingame genau auf….na, wen wohl? Kirito natürlich. Zu allem Überfluss verliebte sie sich auch noch in ihn und war schockiert als die Wahrheit herauskam. Ich dachte mir nur so: ist das ein Anime über ein Familiendrama oder über ein Game? Sugu fand ich zudem sowohl im RL als auch mit ihrem Avatar Leafa eher nervig. Nachdem ausgiebig geheult wurde, raffte sie sich dann noch auf ihrem Bruder bei der Rettung Asunas beizustehen: dazu mussten sie eine angeblich unlösbare Quest lösen. Dank dem Deus Ex Machina-Prinzip wurde das dann auch ohne großes Aufleveln gelöst (was ein Zufall, dass auf einmal alle Leute die Kirito in dem Game kannte ihm zu Hilfe kamen!!!). Der Kampf gegen den Perverso-Verlobten diente dann wohl vor allem der Befriedung der Triebe von Asuna-Fans, so viel wie sie da gefesselt und auf andere Weise gequält wurde. Ein Glück, dass Kirito aus welchem Grund auch immer auf die Admin-Rechte vom SAO-Gründer zurückgreifen konnte und dem Spuk ein Ende setzte. Sorry, aber spätestens da konnte ich die Serie nicht mehr ernstnehmen. Das wirkte zu sehr überstürzt und an den Haaren herbeigezogen. Mich haben die Folgen einfach nur gelangweilt und bestenfalls zu Facepalm- und WTF-Reaktionen gebracht. Nun weiß ich nicht ob es wirklich an der schlechten Umsetzung liegt (Details weggelassen, die Fillerfolgen waren wohl Kurzgeschichten die aber an total falscher Stelle eingefügt worden, etc.), allerdings ist der Anime keine gute Werbung für die Novels. Vielleicht nehme ich sie mir irgendwann mal vor, wer weiß. Und wenn es nur dazu da ist um herauszufinden ob es an der Umsetzung lag. Möglicherweise macht das alles dann mehr Sinn.

Zu den Charakteren habe ich das meiste ja schon gesagt. Zu einem Großteil steht und fällt dieser Anime mit seinen Charakteren, finde ich. Und ich konnte mich mit Kirito, Asuna, Yui und Suguha leider gar nicht anfreunden. Dementsprechend berührte mich dann das Drama und die Romanzen überhaupt nicht, was noch erschwerend hinzukam. Wenn man die Charas mag, hat man da sicher mehr Freude dran. Am interessantesten fand ich Klein, der leider zu wenige Auftritte hatte.

Die Optik war okay, aber man hat schon besseres gesehen. Das beste war mMn noch der Soundtrack von Yuki Kajiura, wenngleich mir ihre Kompositionen für Tsubasa Chronicles oder Madoka deutlich besser gefallen haben. Und vom Soundtrack alleine stieg meine Lust auf die Folgen auch nicht gerade. Eine mögliche zweite Staffel würde ich mir höchstwahrscheinlich nicht mehr anschauen.

Opening und Ending:

Fazit:
Ich habe mich ja bemüht den Anime zu mögen, aber SAO war für mich eine der großen Enttäuschungen des Jahres. Nach der absolut genialen ersten Folge ging es leider stark bergab. Eigentlich schade drum, da hätte man mehr daraus machen können. Gerade weil die Novels wohl den Fokus mehr auf die Action legten, hätte ich mir das im Anime auch gewünscht.

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Matsu

One hell of a fangirl! Matsu liebt Anime und Manga, hat aber auch eine große Leidenschaft für Bücher, Geschichte, Videogames und vieles mehr....

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Tags: Anime, Anime-Reviews, Review, Sword Art Online

  1. AnnaSadako

    17. Januar 2013 at 16:09

    Ich bin erst gerade beim zweiten Act angekommen. Die letzten 4 oder 5 Folgen des Erstens Acts waren gut, und ich denke bisher auch das sie es ab da ruhen lassen sollen. Den so könnten Talentierte Fans eine Fanfiktion schreiben…
    Ich schaue SAO mit deutschen Untertiteln und da wurde erwähnt, das die „Schwester“ von Kirito seine Cousine ist… Die Vorstellung ist mir irgendwie auch lieber als Stiefgeschwister. o:

    Was Klein betrifft: Ganz deiner Meinung der kam zu selten vor. ;-;

     
  2. alex_roston

    17. Januar 2013 at 20:48

    Ich habe ja bereits in meinemBlog einen ausführlichen Artikel über SAO geschrieben. Da habe ich auch gewisse Plotholes, die du hier auch erwähnst angesprochen. Doch was mich an SAO fasziniert hat war weniger die gut durchdachte Story, als vielmehr die Atmosphäre und das Feeling, das bei den Kämpfen und auch zwischen den Charas rüberkam.

    Dass es für das Warmwerden mit den Charas nicht gerade förderlich war, dass sie so viele Zeitsprünge eingebaut haben, gestehe ich auch ein. Sie haben sich da ja auch nicht ganz an die Chronologie der Light Novel gehalten (wo nebenbei bemerkt gleich die 2 Jahre auf einen Schlag ins Land gehen). Trotzdem wäre es auch nicht so wild gewesen, den ersten Ark auf alle 25 Folgen auszuweiten.

    Naja, letzten Endes spielt die Erwartungshaltung sicher eine Rolle. Ich bin auch relativ unbeeindruckt an den Anime herangegangen, da ich ihn erst nach Ausstrahlung an einem Stück geschaut habe. Vielleicht spielt das auch ein Rolle…

    Ich würde mich aber freuen, wenn du meinen Artikel dazu mal liest. Da hab ich z.B. auch mal einen Ansatz dafür erwähnt, warum es theoretisch möglich ist, dass Asuna am Ende des 1. Arks überlebt.

    Achja, und dass man sich unsterblich in jemanden verlieben kann, mit dem man ganze 2 Jahre! in einem Spiel gefangen ist, halte ich gar nicht für so abwegig. Denn seien wir mal ehrlich: Im Internet benehmen sich sie Meisten authentischer und echter, als sie es vielleicht im RL machen würden. Ich zitiere da gerne aus meinem Artikel die Worte von Kirito, die hier sehr schön passen^^:

    „Ich lernte, dass es keinen bedeutsamen Unterschied zwischen der echten und der virtuellen Welt gibt. Es hat keinen Zweck alles und jeden zu hinterfragen. Es bleibt einem nichts übrig, als sie zu akzeptieren und ihnen zu vertrauen. Denn die Gestalt, die sie in deinem Kopf annehmen, ist ihr wahres Ich.“

     
    • Matsu

      18. Januar 2013 at 11:43

      Ich habe mir deinen Artikel mal durchgelesen und kann deine Meinung auch nachvollziehen :) Aber was z.B. das mit Asuna angeht bleibe ich trotzdem stur bei meiner Meinung ;) Mich haben an SAO einfach zu viele Kleinigkeiten gestört, wenn es etwa nur die Zeitsprünge gewesen wären hätte ich drüber hinwegsehen können.

       
      • alex_roston

        18. Januar 2013 at 18:43

        Schlussendlich kann man denke ich sagen, dass es auch großteils an der Umsetzung der Novel gehapert hat. Da hätte man definitiv noch mehr rausholen können bzw. mehr Leute dafür begeistern können. Bestes Beispiel wäre hier auch Chu2koi, bei dem ja die Novel recht grottig sein soll, man aber trotzdem einen sehr guten Anime draus gemacht hat.
        Falls dich das Thema und meine nervigen Kommentare dazu noch nicht langweilen^^, dann kannst du ja auch noch auf TMSIDRs Blog (SOS-Brigade.de) rumsurfen. Er greift dieses Umsetzungsproblem auch nochmal in seiner Review (vor allem Teil 2) über Chu2koi und dem Podcast zu SAO auf.

         
 

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