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Rückblick auf die Summer Season: Chouyaku Hyakuninisshu: Uta Koi.

16 Okt

Wer braucht schon Natsuyuki Rendezvous, wenn in der gleichen Season ein viel besserer Josei-Anime lief? Die Rede ist von Utakoi.

Utakoi erzählt uns von der Hyakuninisshu-Anthologie, einer Gedichtsammlung aus der Heian-Periode, in der 100 Gedichte von 100 Autoren zusammengestellt worden sind. Fast alle davon haben eines gemeinsam: sie drehen sich um eines der beliebtesten Themen bei Dichtern überhaupt, die Liebe. Manch ein Zuschauer wird da erstmal einen Schreck bekommen und vielleicht an die Schulzeit zurückdenken, in der man sich mit langweiligen Gedichten auseinandersetzen musste und, noch schlimmer: Gedichtinterpretationen schreiben musste. Ich für meinen Teil habe das jedenfalls gehasst wie die Pest. Utakoi bringt dem Zuschauer die Gedichte aber auf eine sehr humorvolle und interessante Weise näher, die sich für mich als sehr unterhaltsam erwiesen hat.

Ich bin wohl ein ziemlicher Literaturbanause, muss ich zugeben. Ich lese zwar sehr viele Romane aus verschiedensten Genres, klassische Werke von Autoren wie Goethe oder generell Dichtkunst gehört nicht gerade zu meiner Lieblingslektüre. Utakoi hat mich aber dennoch sofort angesprochen, weil mich sowohl die japanische Geschichte im allgemeinen und die Literatur des alten Japan im speziellen doch irgendwie reizen. Schon Folge 1 fand ich toll: Das Ganze wurde sehr humorvoll und modern verpackt, aber trotzdem wurden die historischen Fakten beibehalten und immer stand die Poesie und natürlich auch die Menschen hinter den Gedichten, die Poeten, im Vordergrund. Man erlebte mit, wer diese Menschen eigentlich waren, die da diese schönen Worte zu Papier brachten, wie sie lebten, liebten und was ihre Motivation zum Dichten war. So kam auch die Romantik nicht zu kurz, denn viele der Gedichte sind entstanden weil ihr Verfasser sich über eine unglückliche Liebe hinwegtrösten musste. Eigentlich hätte ich es nicht für möglich gehalten, aber der Anime hat mich sehr gefesselt und beeindruckt. Auf jeden Fall ist es für mich ein Anlass mich bei Gelegenheit mal etwas näher mit dem Thema zu befassen. Ich glaube, für den Anfang werde ich mir mal die Geschichte des Prinzen Genji besorgen ;) Ebenfalls sehr gefallen hat mir die Optik. Der Stil mit den dickeren Outlines passte erstaunlich gut zum Inhalt – es geht also auch bei realistischem Inhalt ohne eine realistischere Verpackung.

Alle Folgen waren in meinen Augen interessant und keine hat mich wirklich gelangweilt. Drei davon möchte ich aber besonders hervorheben. Zum einen war da Folge 6, vollgepackt mit den verschiedensten verrückten Parodien. Da wurden die Dichter in eine Talkshow eingeladen und interviewt, es gab einen Poeten-Hostclub, ein Ochsenkarren-Rennen im Formel 1-Style (inklusive Boxenstopp und Reporter xD) wurde ausgetragen und als Highlight gab es eine Veralberung von Yu-Gi-Oh. Diese Folge fand ich zum Kaputtlachen! Sie hat zwar genaugenommen nicht zum Stil der restlichen Serie gepasst, konnte sich aber trotzdem erstaunlich gut einfügen und diente als kleine Abwechslung (sowie eine Art Recap der ersten Serienhälfte) zwischendurch.

Auch noch erwähnenswert war Folge 11, in der uns eine der bekanntesten Schriftstellerinnen aus dieser Zeit vorgestellt wurde: Murasaki Shikibu. Ihre Geschichte fand ich sehr interessant und tragisch, da einem als Zuschauer besonders anschaulich vor Augen geführt wurde, wie das Leben damals so ablief; bestimmte Beziehungen und Freundschaften waren schlicht nicht möglich, wegen Standesunterschieden und weil es die Gesellschaft eben einfach so vorschrieb. Ähnlich war Folge 13, in der Fujiwara no Teika im Mittelpunkt stand. Dass er in der letzten Folge wirklich im Mittelpunkt stand war eine sehr schöne Art die Serie abzuschließen, denn vorher war er trotz vieler Auftritte eine recht mysteriöse Person geblieben ist. Nun habe ich aber letztendlich erfahren, wie er zum Dichtem gekommen ist und was ihn dazu bewegt hat, eine Gedichtsammlung zusammenzustellen. Eine zweite Staffel würde mich aber trotzdem sehr freuen, denn alle 100 Gedichte wurden in diesen 13 Folgen sicher noch nicht erwähnt – da ist noch genügend Material vorhanden!

Die Charaktere waren in jeder Folge verschieden, denn es ging meistens um eine andere Person, die ein Gedicht für die Anthologie verfasst hat. So etwa Murasaki Shikibu. Einige der Charaktere traten jedoch mehrmals auf, wie etwa Sei Shonagon oder Fujiwara no Teika. Dieser war übrigens der Herausgeber der Anthologie, d.h. er hat all diese Gedichte zusammengestellt. Im Anime übernahm er sozusagen die Rolle des Moderators und Ansagers, denn zu Beginn jeder Folge erzählte Teika kurz was uns in dieser Folge erwarten würde. Dabei sah man ihn oft in witzigen, modernen Szenen wie etwa dem Eröffnungsbild von diesem Post ;)

Opening und Ending:

Weder Opening noch Ending fand ich besonders gut, muss ich leider sagen. Irgendwie passten die Songs in meinen Augen nicht richtig zum Anime. Naja, aber darüber kann ich hinwegsehen ;)

Fazit:


Lasst euch nicht vom etwas trocken wirkenden Thema Gedichte und Poesie abschrecken: Utakoi ist ein sehr unterhaltsamer und lehrreicher, aber auch lustiger Anime, dem man eine Chance geben sollte – nicht nur als Fan der japanischen Literatur. Nach den vielen Enttäuschungen ist es einer meiner Favoriten in dieser Season!

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Matsu

One hell of a fangirl! Matsu liebt Anime und Manga, hat aber auch eine große Leidenschaft für Bücher, Geschichte, Videogames und vieles mehr....

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Tags: Anime, Anime-Reviews, Chouyaku Hyakuninisshu: Uta Koi., Review

  1. Lady Raven

    16. Oktober 2012 at 18:27

    Hui, das klingt nach was für mich. *.*

    Murasaki ist eine meiner Lieblingsautorinnen, durch ihrem Namen habe ich ja auch meinen zweiten Nickname, mit dem ich mich viel im Netz bewege und auch mein Blog ist nach ihr benannt. <3

    Von Sei Shonagon habe ich ebenfalls schon das "Kopfkissenbuch" gelesen. Sie war ja Murasakis ärgste Konkurentin, die beiden scheinen sich jedenfalls nicht sehr gemocht zu haben.

    Wird definitiv bei Gelegeneheit mal geschaut werden!^^

     
 

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